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300 Jahre Möbelgeschichte bröckeln

Die Frankfurter Straße bekommt in diesem Bereich ein neues Gesicht. Insgesamt 20 Wohnungen in vier Häusern entstehen.



Kelkheim. Gut 300 Jahre Möbelgeschichte werden an der Frankfurter Straße in den nächsten zwei Jahren verschwinden: Im Abschnitt von der Stadtmitte bis zur Ortsgrenze Münster hatten drei bekannte Unternehmen ihren Sitz – sie alle sind Geschichte. Zum Jahresbeginn hat das Möbelhaus Gebrüder Wolf nach 110 Jahren seine Pforten geschlossen. Hier wird es schon bald eine andere Nutzung geben (siehe „Extra“).

Auch ein Ensemble ganz in der Nähe der Stadtmitte Süd bekommt ein neues Gesicht. Sowohl das ehemalige Möbelhaus Pleines als auch die zwei Hausnummern weiter rechts liegende, alte Schreinerei Kleemann werden abgerissen. Das bestätigen die Investoren, die an diesen Stellen Wohnhäuser errichten wollen – mit rund 20 Wohneinheiten.

Frankfurter Schrank

Bis zu 10 Wohnungen sollen auf dem Gelände des ehemaligen Möbelhauses von Erwin Pleines in zwei Häusern entstehen. Nach der Schließung des kleinen Betriebes mit zuletzt zwei Angestellten, erwarb der Kelkheimer Unternehmer Elvir Pacarada das Anwesen Ende 2013 in der Zwangsversteigerung. Nur wenige Wochen später starb Pleines, der als einer der letzten Schreiner lange den hochwertigen Frankfurter Schrank herstellte und den Betrieb 1965 von seinem Vater Anton in der vierten Generation übernommen hatte. Der berühmte Schrank, in dem bis zu 900 Arbeitsstunden steckten, wurde teilweise sogar bis in die USA geliefert. Aus gesundheitlichen Gründen war für ihn 2011 Schluss, Nachfolger waren nicht in Sicht.

Pacarada wird das historische Haus wohl noch 2015 abreißen lassen. Es seien Details mit der Stadt wie die Fassadengestaltung zu klären, dann will er zwei Mehrfamilienhäuser bauen. Die Preise liegen im Schnitt bei rund 3200 Euro pro Quadratmeter, die Wohnungen sind zwischen 70 und 140 Quadratmeter (das Penthouse) groß. Für Gewerberäume sieht er „keinen großen Bedarf“.

Von den 1880er-Jahren bis nach dem Zweiten Weltkrieg führte Ludwig Kleemann, ein Wandergeselle aus der Pfalz, seine Schreinerei an der Frankfurter Straße. „Es war ein ruhiger, kleiner Familienbetrieb“, erinnert sich der ehemalige Lehrling und Geselle Josef Becker, später erster Polizist von Kelkheim. Es wurden vor allem Schlafzimmer produziert. Nach dem Krieg war der Betrieb stillgelegt, es gab verschiedene Nutzungen, etwa ein Holzlager. Doch seit gut 15 Jahren stehe das Ensemble leer, weiß der ehemalige Eigentümer Jürgen Westenberger. Er hat das Areal von seiner Tante Else Westenberger, geborene Kleemann und Tochter des Gründers, geerbt. Er hatte es bereits im Vorjahr an einen Investor aus Mannheim verkauft. Der habe aber die nötige Zahlung nicht geleistet, deshalb sei es zur Rückabwicklung gekommen, berichtet Westenberger.

Kein Gewerbe

Nun hat er es an einen anderen Privatinvestor verkauft. Für diesen übernimmt der Kelkheimer Architekt Tümsal Dogan mit seinem Büro Archbase die Projektplanung. Das Anwesen werde abgerissen, frühestens Anfang 2016, sagt Dogan. Dann sollen zwei Wohnhäuser in erster und zweiter Reihe entstehen – mit elf Wohnungen. Der Schwerpunkt liege bei Drei- bis Fünf-Zimmer-Einheiten, die Preise bewegen sich im Rahmen von 2800 bis 3200 Euro pro Quadratmeter. Die Wohnungen sollen barrierefrei und somit gerade für ältere Menschen, die Innenstadtnähe suchen, interessant sein. „Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum ist sehr groß“, weiß Dogan. Kaum Interesse gebe es dagegen an Gewerbeflächen – an der Frankfurter Straße stehen viele Objekte leer. Deshalb ist der Archbase-Chef froh, dass die Stadt Ausnahmen macht und im Erdgeschoss an der Straße Wohnen zulässt. Mit der Fertigstellung rechnet er in etwa 18 Monaten. Es handele sich um ein „schwieriges Grundstück“ mit Grenzbebauung links und rechts. Auf der Rückseite an den Gleise müsse eine Stützwand errichtet werden, die Genehmigung liegt vor.

(wein)

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