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„Bon Appetito“ in der Heidesiedlung

Erst wollten alle, dass in der Wohngegend ein Geschäft öffnet. Doch dann kauft kaum jemand dort ein. Die Familie Venuto wagt nun mit einem neuen Konzept einen weiteren Versuch.

Liederbach. Ciabatta-Brot, italienische Blätterteigspezialitäten, süße Cannelloni oder Eisspezialitäten – wer in der Heidesiedlung dieser Tage an der Bäckerei vorbei geschlendert ist, wird sich vermutlich über das geänderte Sortiment gewundert haben. Das liegt daran, dass das kleine Geschäft nun von Emma Venuto geführt wird, die seit kurzem hier neue Pächterin ist.

Eine mutiger Schritt, denn dass es nicht einfach ist, sich in der Wohnsiedlung zu etablieren, hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt. Der Standort in der Heidesiedlung ist vor allem aus betriebswirtschaftlicher Perspektive für einen kleinen Laden nicht besonders erfolgversprechend. Die Inhaber, die er bereits versucht, mussten häufig bald wegen des mangelnden Kundenzuspruchs aufgeben.

Das Konzept der neuen Pächterin unterscheidet sich allerdings von dem der Vorgängerin. Emma Venuto setzt in ihrer Filiale nicht nur auf den Verkauf an Ort und Stelle. „Wir sind Zulieferer von Gastronomie und Feinkostgeschäften“, erklärt Bäckermeister Salvatore Venuto, ihr Ehemann. Von Liederbach aus wollen die Venutos Kunden im ganzen Taunus beliefern.

Gefertigt werden die Backwaren, darunter auch typisch deutsche Produkte wie Kaiserbrötchen oder das Roggenbrot, in Heddernheim, wo die Venutos seit über zehn Jahren eine Bäckerei betreiben. Geöffnet ist in Liederbach, im einzigen Geschäft in der weitläufigen Heidesiedlung, jetzt wieder täglich von 7 bis 18 Uhr, am Wochenende von 7 bis 13 Uhr.

Wie berichtet, hatte die kleine Bäckerei unter dem vorherigen Inhaber im Februar dieses Jahres ihre Geschäftszeiten deutlich verkürzt. Die Nachfrage sei nicht in ausreichendem Maße vorhanden, hieß es von der damaligen Geschäftsführerin, Zana Haidari. Die Kundschaft kam vor allem vormittags. Rentabel sei das nicht gewesen.

Hoffnung setzten Zana Haidari und ihre Brüder, Elvir und Ernest Pacarada, die das Gebäude als Investoren gebaut haben, auf eine mögliche Zusammenarbeit mit dem Hotel an der Höchster Straße (wir berichteten). Das wollen die Pacaradas auf dem ehemaligen Gelände von Abc-Druck bauen. Allerdings ist dieses Projekt noch nicht in trockenen Tüchern. Ob und wann gebaut wird, steht noch nicht fest. „Wir müssen uns anpassen“, sagt Elvir Pacarada zum aktuellen Stand. Die eingereichten Pläne für die Bauvoranfrage müssten noch einmal überarbeitet werden, um allen Anforderungen gerecht zu werden.

Die Pacaradas wollen an der Höchster Straße ein Hotel mit bis zu 100 Zimmern errichten und hatten ins Auge gefasst, die Bäckerei ihrer Schwester vielleicht zukünftig als Zulieferer zu beauftragen. Diese Idee muss nun in die Schublade. Elvir Pacarada hofft, dass die Leute aus der Siedlung die neue Bäckerei annehmen. „Es muss ein bisschen mehr Unterstützung aus der Umgebung her“, findet er. Schließlich habe es früher vehemente Forderungen vonseiten der Bewohner nach einem kleinen Laden gegeben.

(Melanie Taylor)

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