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Ein neues Heim für 160 Menschen



Kelkheim. Eliseo und die anderen Kinder tollen im Hof herum. Es ist eine Menge los an diesem Nachmittag im Hof der alten, neuen Flüchtlingsunterkunft an der Frankfurter Straße. Kein Wunder: Nach dem Brand im Wohnheim in Liederbach sind 116 Menschen hierher umgezogen, zudem hat Kreisbeigeordneter Johannes Baron zur Vorstellung der neuen Räume eingeladen. Eliseo schaut sich das mit den Kumpels mit großem Interesse an. Ob er das Haus nun besser findet als das ehemalige Heim in Alt-Oberliederbach? Der Zwölfjährige ist hin- und hergerissen. In Liederbach habe er sich ja auch ziemlich wohl gefühlt, auf der anderen Seite ist nun die Eichendorffschule, wo er in die 6. Klasse geht, nicht weit entfernt.

Zentral, aber wenig Grün

Sein Papa Gentjan Rrushi wohnt mit seiner Frau und den drei Kindern seit einer Woche hier. Die Räume seien deutlich besser, die Familie habe in ihrem Zimmer – wie in allen 38 Einheiten – eine kleine Küchenzeile und ein kleines Bad. Das war in Liederbach anders. Auf der anderen Seite habe es dort mehr Grün drumherum gegeben. Hier an der Frankfurter Straße ist die Familie aus Albanien, die seit 32 Monaten in Deutschland lebt, aber mitten in der Stadt.

Und das ist ein wichtiger Grund, weshalb der Main-Taunus-Kreis trotz erstmals sinkender Flüchtlingszahlen auf diese Unterkunft setzt. „Der Standort ist gut, sehr stadtnah“, betont Baron. Die Frage sei noch, wie der Gang in Kindergärten und Schule geregelt wird. Denn die Familien lebten bisher in Liederbach. Wer in die Nachbargemeinde muss, erhält vom Kreis Busfahrkarten. Geplant ist laut Frank Staschok, beim Kreis zuständig für die Unterkünfte, aber ein Rückzug einiger Bewohner nach Liederbach. Derzeit kann das Haus nach dem Brand am Sonntag vor einer Woche noch nicht wieder betreten werden. Die Versicherung ist noch drin. Doch den linken Gebäudeteil will der Kreis in einigen Wochen wieder beziehen, kündigt Baron an.

Er ist nach dem Feuer „sehr froh, dass wir die Unterkunft hier in Kelkheim ad hoc belegen konnten“ und lobt den Einsatz der Helfer. Das Lob gibt Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger gerne an die Brüder Ernest und Elvir Pacarada weiter. Sie sind die Eigentümer der Immobilie, ehemals Möbelhaus Pleines, und haben in nur wenigen Monaten seit August eine fertige Unterkunft für mehrere Millionen Euro fertiggestellt. Der Mietvertrag des Kreises läuft bis Ende 2027. „Dieses Tempo ist faszinierend“, sagt Kündiger. Die Pacaradas, die aus dem Kosovo stammen, „wissen, was sie gebaut haben – das ist nicht nur eine reine Schlafstätte“.

In der Tat: Im Erdgeschoss an einer Seite des Innenhofs gibt es einen großen Mehrzweckraum, gleich daneben einen weiteren Bereich für die Helfer. Die Räume sind hell, modern und freundlich, jeweils mit Küchenzeile und kleinem Bad ausgestattet. Mindestens zwei Menschen wohnen hier in unterschiedlichen Einheiten. Bis zu 160 Leute könnte der Kreis hier unterbringen, derzeit sind es 116 – vor allem Afghanen und Iraker, zudem aus Albanien, Äthiopien und Eritrea. Labinot Pllana aus dem Kosovo ist mit seiner Frau Albina und Sohn Albi in ein Zimmer im Erdgeschoss gezogen – gut für den Sohn, der eine Behinderung hat. Im neuen Haus fühlt sich die Familie sehr wohl und ist dankbar für die Hilfe für den Vierjährigen.

Der Kreis will das Haus auch für solche Fälle nutzen, die in einer nicht optimalen Unterkunft untergebracht sind, betont Baron. Zum Teil leben Flüchtlinge in Pensionen, was für den MTK weniger günstig ist. Insgesamt bringt der Kreis aktuell 3000 Menschen in seinen Einrichtungen unter – darunter aber bereits rund 750 anerkannte Personen. Kamen vor mehr als einem Jahr jede Woche rund 100 Asylbewerber in die Region, so sei es am Montag nur einer gewesen, vergleicht Baron. Erstmals gehe die Gesamtzahl zurück. Der Kreis reagiert und verfolgt neue Projekte wie am Berliner Ring in Kelkheim nicht weiter (siehe „Info“). Das Haus Frankfurter Straße ist wegen seiner Lage aber wichtig. Es war schon einmal bewohnt, wurde aber abgerissen und neu gebaut. Die Menschen kamen dann vor allem in einer anderen Immobilie der Pacaradas an der Höchster Straße in Liederbach unter.

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